LVZ 02.02.2007


Leipziger Volkszeitung | Ingolf Rosendahl:

“Wenn wir überleben wollen, müssen wir gemeinsam handeln” In Ihrer Freizeit schreibt die Physiotherapeutin Petra Morche Romane / Patienten finden’s prima. Wenn des Nachts die Sterne funkeln greift Petra Morche nach denselben. Eigentlich hat die Leipzigerin in ihrer Physiotherapie-Praxis alle Hände voll zu tun. Doch abends haut sie in die Tasten. Eben ist der “Telepathenkrieg”, erster Teil ihrer Reihe Raumbasis Prometheus erschienen - irdische Probleme vor stellarem Hintergrund. “Ausgangspunkt war Babylon5” sagt Petra Morche zwischen zwei Patienten. Die Science-Fiction-Serie inspirierte die Leipzigerin, selbst zu schreiben, genauso die Realität, der 11. September, der Irak-Krieg, all der Wahnsinn, der so viel Potential verpulvert. “Auch die klassischen Star-Trek-Bücher und russische Autoren wie die Brüder Strugazki schätze ich.” Dabei stellt sie sich vor allem eine Frage: “Sind wir dazu in der Lage, vom gewaltsamen Gegeneinander zum friedlichen Miteinander zu kommen? Ich hoffe es”, sagt Petra Morche. “Denn wenn wir überleben wollen, müssen wir gemeinsam handeln.” Das wäre auch der Idealfall fürs Zusammenleben auf der Erde im 27. Jahrhundert. Doch auch im Universum gibt es ein paar Raufbolde. So übernimmt das Psi-Korps die Macht - schlechte Zeiten für herkömmliche Menschen, die für die Psi-Truppen ein Auslaufmodell darstellen … Wohin die Handlung letztlich führt, das weiß Petra Morche selbst noch nicht. “Das entwickelt sich beim Schreiben”, sagt sie. Rund 2500 Seiten sind bis jetzt am Computer entstanden. Dabei hält sich die Schriftstellerin nicht an irgendwelche goldenen Schreibregeln. “2002 habe ich angefangen. Später hat mich eine befreundete Journalistin bestärkt, mir einen Verlag zu suchen.” Den fand sie mit der Karin Fischer GmbH in Aachen. “Schon ein paar Tage, nachdem ich mein Manuskript hingeschickt hatte, sagten sie zu”, so Petra Morche, deren lesenswerte Zeilen nicht platt auf Action zielen, sondern auch mit Psychologie und Philosophie punkten. Ihre Patienten finden’s prima. “Wie wird die Wahnsinnsstory weitergehen?”, fragt Wolfgang Liebenow. Geboren 1954 in Kamenz, studierte Petra Morche von 1972 bis 1976 an der Karl-Marx-Universität in Leipzig Philosophie, arbeitete als Lehrerin für Staatsbürgerkunde. “Wegen meiner Kinder wechselte ich zur Betriebsschule für Gesundheitswesen. Doch die wurde abgwickelt.” Da half auch keine Unterschriftensammlung der Schüler. Also ließ sich Petra Morche zur Physiotherapeutin ausbilden, war in diesem Beruf zunächst angestellt, eröffnete aber 1997 mit einer Kollegin eine eigene Praxis. “Es läuft ganz gut”, sagt sie “Wir hatten nie Probleme.” Jetzt zu schreiben, ist für Petra Morche also eine Muße und kein Muss. Und ein bisschen kommt dabei auch ihre Weltanschauung auf den Prüfstand. “Mit Gewalt kann man auf Dauer nicht an der Macht bleiben”, weiß sie. Und: “Die Zukunft der Menschen muss menschlich sein.” Insofern ist ihre “realistische Utopie” - die nächsten Folgen liegen schon in der Schublade - auch Hoffnung auf eine humanistische Zukunft. Für die die Autorin Anstöße geben will. Denn: “Denken macht Spaß.”